Bauschutt im Bach, Betonsprengungen – wen juckt’s?

In einem Offenen Brief hat die BI WüTu die Stadt aufgefordert, endlich Verantwortung an der A3-Baustelle zu übernehmen.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schuchardt,
sehr geehrte Stadträte,

die Autobahndirektion Nordbayern hat kürzlich ihre Pläne zur Sprengung von drei Brük-kenpfeilern der alten A3-Brücke bekannt gegeben – in vollem Widerspruch zu den Beteuerungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 2011, die Brücke bei laufendem Verkehr und ohne Sperrungen abschnittsweise abzutragen. Die Änderung der Rückbauplanung im Jahr 2014 hat die Regierung von Unterfranken ohne ordentliches Genehmigungsverfahren und damit ohne Einbeziehung der Anwohner und der Stadt Wüzburg durchgewunken. Dies ist rechtswidrig, aber Sie als Vertreter der Stadt lassen es offensichtlich bei einer nutzlosen „Schelte“ bewenden. Sie haben nichts versucht, um den Übergriffen der ABDNB Einhalt zu gebieten.

Bauschutt aus Stahlbeton im Heigelsbach. Foto: Johanna Paul

Was auch immer die Bürger jetzt wieder hinzunehmen haben: wochenlange Sperrung der Stuttgarter Straße und der Heuchelhofstraße mit Verkehrsumleitungen, Kappung des Straßenbahnverkehrs sowie der Rad- und Fußwege und jetzt die Sprengung mit Evakuierung – für Sie als ihre gewählten Vertreter ist das kein Problem. Am Freitagabend des 25. Januar 2019 war die Heuchelhofstraße stadteinwärts wegen Bauarbeiten unterhalb der Brücke unangekündigt für den Autoverkehr gesperrt – kein Einspruch seitens der Stadt.

Das Geröll verhindert den Wasserfluss. Foto: Johanna Paul.

Ohne im mindesten für die Bürger und deren Belange einzutreten, lassen Sie zu, dass die Autobahndirektion auf dem Stadtgebiet schaltet und waltet, wie sie will. Offensichtlich kann die ABDNB darauf zählen, dass die Stadt alles hinnimmt, nur um keine weitere Bauverzögerung zu riskieren. Die Leidtragenden aber sind die Bürger, die Sie gewählt haben!

Nicht nur, dass Sie das städtische Territorium an der Autobahn offenbar für die Bauzeit aufgegeben haben. Sie scheinen nicht einmal die Vereinbarungen zu kennen, die mit der ABDNB zugunsten der Bürger getroffen wurden – geschweige denn, dafür einzutreten.
· Wie sonst könnten Sie nicht einmal bemerkt haben, dass nun eine gar nicht vorgesehene Brückensprengung ansteht?
· Wie sonst konnte der im Eigentum der Stadt stehende Heigelsbach im Zuge des Brückenabrisses ohne Gegenwehr der Stadt einfach zugeschüttet werden trotz der nahenden Frühjahrsniederschläge? Die Stadt riskiert, dass sich bei Regen ein Rückstau Richtung Rottenbaurer Grund bildet und die anliegenden Häuser überschwemmt werden.
· Wie sonst kann es zu den geplanten Nachtarbeiten der ABDNB an der Bahnlinie im Brückenbereich kommen? Oder haben Sie dafür etwa eine Genehmigung erteilt? Die zu erwartenden hohen Lärmbelästigungen stellen einen klaren Verstoß gegen die Nachtruhe ab 20 Uhr dar, die die BI Würzburg-Tunnel vor Gericht erwirkt hatte.
· Wie sonst könnten Sie zulassen, dass die Bürger gänzlich im Dunkeln darüber gelassen werden, wie sie die bevorstehende Sperrung der Heuchelhofstraße bewältigen sollen? Das wird für die Bürger große Umwege und Staus bedeuten. Wahrscheinlich wird auch der Rad- und Fußweg unpassierbar. Der Umweg über die B19 kommt für diese Verkehrsteilnehmer nicht in Frage.

Würden Sie es nicht vorgezogen haben, hartnäckig zu vermeiden, mit unserer Initiative zu reden, wäre es zu der Bevorzugung der Interessen der ABDNB vor denen der Bürger in diesem Ausmaß nicht gekommen.

Wir fordern Sie auf, nicht weiterhin passiv und tatenlos alles hinzunehmen, was Ihren Bürgern zugemutet wird. Konkret heißt das, sich endlich um die Sorgen der Anwohner zu kümmern und sie nicht allein zu lassen. Nicht alle Anwohner sind so unbesorgt wie der Vorzeigebürger in der Presse, dass sie wegen der spannenden Baustelle Lärm, Dreck, ja sogar herabfallende Betonbrocken gelassen in Kauf nehmen. Etliche sind überfordert, wenn es etwa um die Evakuierung und die Bewertung des Zustands ihrer Häuser vor und nach der Sprengung geht.
· Was ist, wenn es tatsächlich zu Schäden an den Häusern kommt?
· Was ist im Schadensfall mit den Häusern der Bürger, die außerhalb des von der ABDNB festgelegten Radius liegen?
· Wer sorgt für die Unterbringung der Evakuierten?
· Welche Konzepte werden Sie für die Bürger bei der Sperrung der Heuchelhof-straße haben?

Wenn schon Untätigkeit zur Gewohnheit geworden ist und es, wie es den Anschein hat, nicht einem inneren Bedürfnis entspringt, für die Bürger einzutreten, so sollten zumindest die im kommenden Jahr anstehenden Kommunalwahlen ein Motor dafür sein, ein Minimum an Mitverantwortung zu zeigen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kraus (1. Vorsitzender), Johanna Paul (2. Vorsitzende), Dagmar Dewald (Sprecherin)
BI Würzburg-Tunnel