Stau, Steigung am Trog, Entwässerung

Zwischenbilanz der BI Würzburg-Tunnel zum A3-Ausbau mit ungelösten Fragen:

Die Staus häufen sich durch den Ausbau der A3. Da werden sich einige an Wahlplakate zum Bürgerentscheid um den A3-Tunnel erinnern: Stoppt den Stau! – Der Bürgerentscheid war zwar gewonnen worden, doch die Politik hat sich nicht die geringste Mühe gemacht, ihn umzusetzen. Johanna Paul, eine der Sprecherinnen der Bürgerinitiative Würzburg-Tunnel e.V., benennt „das Ergebnis: Stau, Stau, Stau. Den hätte es nicht gegeben bei einem Tunnelbau abseits der bestehenden Strecke, die in der Bauzeit voll nutzbar gewesen wäre.“ Erst vor zwei Wochen am Samstag wälzte sich nach einem LKW-Unfall an der Bau-Engstelle der gesamte A3-Verkehr durch Würzburg, so dass dort und in den umliegenden Gemeinden der Verkehr zum Erliegen kam. Die „Operation am offenen Herzen“, wie das die Autobahndirektion gerne nennt, wird noch mehrere Jahre laufen „mit allen Risiken für den Patienten Würzburg und seine Bürger, die die giftigen Stickoxide einatmen müssen“, so Paul: „Die Forderung der BI nach einem Schutzwald mit großen Bäumen entlang der A3 als Ersatz für den Kahlschlag von über 60 Hektar müsste umso dringlicher Gehör finden.“

Doch auch die Warnung der BI, dass die Trennung der beiden Stadtteile Heuchelhof und Heidingsfeld durch die Autobahn im Trog weiterhin zementiert würde, zeigt mehr und mehr ihre Berechtigung: Während die Autobahndirektion vor Baubeginn von einem „in den Berg eingelassenen Katzenberg-Tunnel“ mit maximalen Neigungen von 27 Prozent sprach, kommt sie heute, noch mitten im Bau, mit 35 bis 58 Prozent den Berechnungen der Bürgerinitiative nah und näher. BI-Sprecherin Dagmar Dewald dazu: „Mit Galgenhumor wird man bei Bauende wohl von einer Annäherung zwischen BI und Autobahndirektion sprechen können: Was die BI an Steigung berechnet hat, wird dann die Autobahndirektion so gebaut haben. Allerdings hat sie damit ihre Versprechen gebrochen. Fußläufig und mit dem Fahrrad sind solche Steigungen kaum zu überwinden, geschweige denn mit Rollstuhl oder Rollator.“ Bei der Baustellenbegehung vor einigen Wochen kamen den anwesenden Stadträten – die Bürgerinitiative war nicht eingeladen – erhebliche Zweifel an der Wegtauglichkeit für Radler. Sie schlugen eine Wegkehre vor. Doch Dewald: „Eine Kehre in der Strecke über den Trogberg wird Alltagsradlern nicht viel helfen. Mit so einer Kehre ist übrigens eine unattraktive Wegverlängerung verbunden. Eine fußgänger- und radfahrfreundliche Verbindung zwischen zwei Stadteilen sieht anders aus.“

In Unterlagen, die den Stadträten ausgehändigt wurden, wird plötzlich etwas thematisiert, was die Autobahndirektion immer verschwiegen hat, nämlich die zusätzliche Einleitung von Abwässern aus dem westlich der Heuchelhofstraße liegenden Teil der A3. BI-Vorsitzender Michael Kraus, der schon vor Jahren Berechnungen aufgrund der künftig versiegelten Flächen vorgelegt hat, fasst die Erfahrungen dieses Sommers mit dem Heigelsbach zusammen: „Die spotartigen Starkregen, die schon jetzt Keller haben voll laufen lassen, werden sich in Zukunft durch den Klimawandel häufen. Sie haben bewiesen, dass der Heigelsbach auch ohne die Einleitung von der A3 enorme Schäden anrichten kann. Wenn dann noch zusätzliche 60 ha Autobahn in den Heigelsbach entwässert werden, wird dieser schwallartig binnen kürzester Zeit überlaufen. An Engstellen ist das eine sehr gefährliche Situation für Anwohner und Fußgänger.“ Kraus hält die Ausführungen der Autobahndirektion, dass im Falle eines Jahrhundertereignisses die A 3 „kaum eine Rolle“ spiele, für „an Fahrlässigkeit grenzenden Zweckoptimismus“. Denn „es ist fahrlässig, wenn Planer in ihren Berechnungen den Klimawandel außer Acht lassen und lediglich ein 23-jähriges Regenereignis zu Grunde legen.“ Immer noch ist die Haftungsfrage für den Fall einer Überschwemmung durch A3-Abwässer nicht geklärt.