Letzter Baumschutz fällt, Bürger nun schutzlos gegen Autobahn

Mehrere Hilferufe von entsetzten Anwohnern der A3-Baustelle am Heuchelhof gingen vor den Feiertagen um Allerheiligen bei der Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel ein: Unmittelbar hinter ihren Häusern in der Londoner Straße trafen Arbeiter der Autobahndirektion Vorbereitungen für die Abholzung des letzten Restes des Waldbestands entlang der Groß-baustelle. Mittlerweile sind die Rodungen in vollem Gange. Somit fällt der letzte Baumbestand, der den Anwohnern zumindest einen kleinen Schutz vor der Autobahn geboten hätte. Hilflosigkeit macht sich breit. Bei den zuständigen Stellen konnte wegen der Feiertage nicht interveniert werden. Solche Aktionen werden erfahrungsgemäß gerne in Ferienzeiten gestartet.

Auf Anfrage teilte das Bauamt der Stadt Würzburg schließlich mit, dass die Abholzung „im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses für den A3-Ausbau“ erfolgt sei. Mit diesen Rodungen würden sogenannte „Ausgleichsflächen“ geschaffen als Ersatz für den einst geschützten Magerrasen im Naturschutzgebiet „Bromberg-Rosengarten“, der dem A3-Ausbau geopfert worden war. Dass dies nun gerade dort geschieht, wo ohnehin fast der gesamte Schutzgürtel gerodet wurde, ist nach Auffassung der BI skandalös und grotesk. Sprecherin Johanna Paul bewertet diesen „amtlich betriebenen Naturschutz“ so: „Hier wird Naturschutz nur dem Wort nach abgeleistet, aber der Sinn von Naturschutz wird dabei total verkehrt: um zerstörte Natur auszugleichen, wird wieder Natur zerstört. Und das ausgerechnet in einem Gebiet, das die Autobahndirektion bis vor kurzem noch mit einem Schild als ‚wertvollen Lebensraum’ ausgewiesen hat! (s. Foto). Warum nicht als Kompromiss den Baumstreifen stehen lassen und dahinter den Magerrasen anlegen?“

Die BI vermisst seitens der Stadt ein Eintreten für ihre Bürger. BI-Sprecherin Dagmar Dewald stellt fest: „Wieder einmal schaut die Stadt tatenlos weg, wenn jetzt die Bürger den letzten Rest von Sicht- und Lärmschutz gegen die Autobahn verlieren. Die Stadt scheint sich mit der rechtlichen auch ihrer moralischen Zuständigkeit für ihre Bürger entledigt zu haben. Die Grundstücke hat sie ja an die Autobahndirektion verkauft, und der sind die Belange der Bürger offensichtlich egal. Der Bürger darf im Dschungel der Zuständigkeiten verhungern.“ Dass der eilige Verkauf von über 70 ehemals städtischen Grundstücken an die Autobahndirektion durch OB Rosenthal weit reichende Folgen für die Bürger haben würde, darauf hat schon damals die BI hingewiesen – der Kahlschlag von mehr als 60 Hektar über Jahrzehnte gewachsenen Waldes ist ein Ergebnis davon.

BI-Vorsitzender Michael Kraus beklagt außerdem: „Alle Appelle der BI an die Stadt, sich für eine Wiederaufforstung mit großen Bäumen einzusetzen, sind bislang nicht einmal beantwortet worden. In Zeiten viel zu hoher Luftverschmutzung braucht Würzburg jedoch dringend einen Schutzwald entlang der A3, damit der Schadstoffeintrag und der Lärm zumindest gemil dert werden. Würzburg darf nicht tatenlos zuschauen, wie jetzt sogar der letzte Rest Wald zerstört wird.“