Jahresrückblick: Stadt macht Erfolg der Bürger zunichte

15-01-06 TrogwändeEin turbulentes und arbeitsreiches Jahr rund um den Bürgerentscheid zum A3-Ausbau geht zu Ende.

Da war zunächst die Erfolgsgeschichte des gewonnenen Tunnel-Entscheids. Anfang des Jahres sind viele Helfer bei Wind und Wetter unterwegs gewesen, haben Unterschriften gesammelt, Aufklärungsarbeit geleistet, Plakate geklebt, Info-Flyer verteilt, Demonstrationen organisiert. Sechs namhafte Würzburger Fachärzte um Professor Wolfram Voelker haben in einem Offenen Brief eindringlich vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Trogbaus gewarnt. Der Widerstand von Seiten der Politik und der Planer war groß. Aber die Würzburger Wähler hatten die Gefahren des A3-Ausbaus im Trog erkannt und sich im Bürgerentscheid mehrheitlich für den Würzburg-Tunnel ausgesprochen.

Soweit die Erfolgsgeschichte. Danach kam die systematische Blockade seitens der Stadt Würzburg.

Zwar bezeichnet sich der neugewählte Oberbürgermeister Schuchardt als „Partner“ der Bürgerinitiative, doch die Realität sieht anders aus. Der Oberbürgermeister hat keine Zusammenarbeit mit den Bürgern gesucht, sie zu keinem Zeitpunkt in die Umsetzung des Bürgerentscheids einbezogen und sie jüngst sogar wissen lassen, dass sie nicht der erste Gesprächspartner seien. Seit dem A3-Hearing Ende Juli besteht kein mündlicher Kontakt. Sein „Umweltreferent“ Kleiner gibt unverhohlen zu, für den geplanten Trogausbau zu sein.

Oberbürgermeister und Umweltreferent sollten sich die Belange der Bürger zu eigen machen. Doch was die Stadt pflichtschuldigst getan hat, trägt die Handschrift eines Widerwillens gegenüber dem Bürgerwillen. Die von der Stadt Würzburg gestellten Anträge und Petitionen waren, soweit wir diese überhaupt zu Gesicht bekamen, höchstens halbherzig und ließen eher durchscheinen, dass man am Würzburg-Tunnel, den die Bürger wollen, gar nicht interessiert ist.

Die durch den offenen Ausbau zunehmende Luftverschmutzung im Würzburger Talkessel und die Verlärmung der angrenzenden Stadtteile werden völlig ignoriert. Die planerischen Defizite des Trogs, die die Initiative aufgezeigt hat, griff die Stadt in ihrer Argumentation nicht auf. Sogar jegliche Information dürfen wir erbetteln, wobei die Herausgabe, wenn immer möglich, verschleppt oder verweigert wird. Man setzt auf Zeit und, lässt die Autobahndirektion Tatsachen schaffen.

Wir wissen nun: Statt energisch die Gesundheitsinteressen der Bürger zu verfolgen, liegt der Stadtverwaltung lediglich am reibungslosen Ablauf des Autobahnbaus Hand in Hand mit der Autobahndirektion.

Dagmar Dewald, Johanna Paul
Sprecherinnen der Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel e.V.