Rosenthal und Walter als Anwälte für den Hochwasserschutz?

Auf das schlechte Gedächtnis der Bürger gebaut haben offensichtlich der jetzige Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal und der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Herbert Walter, als sie jüngst beim Vororttermin am Heigelsbach in Heidingsfeld gleichsam mit Sorgenfalten auf der Stirn die „Erstellung eines Konzepts“ gegen künftiges Hochwasser ankündigten. Die Sprecherin der Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel, Dagmar Dewald, wertet dies so: „Rosenthal und Walter posieren jetzt als Kümmerer, wo sie doch eigentlich durch Unterlassungen selbst dazu beigetragen haben, die Hochwassergefahr am Heigelsbach erst richtig groß werden zu lassen.“

Eine enorme Hochwasser-Bedrohung für den Heigelsbach stellt nämlich die neue Autobahn dar. Sie muss wegen der steilen, kaum wasseraufnahmefähigen Böschungen und des kontaminierten Regenwassers großflächig entwässert werden, was über den Heigelsbach geschehen wird. Auf die davon ausgehenden Gefahren, die der Klimawandel noch verstärkt, hatte die Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel e.V. schon vor Jahren mehrfach hingewiesen. Einen extremen Regenfall mit einer schwallartigen Überflutung haben wir im Frühjahr 2016 am Heigelsbach erlebt, noch ohne Einleitungen von der Autobahn. Ergebnis davon siehe Fotos des unpassierbaren Weges und des zerstörten Brückenfundaments (Fotos: Michael Kraus).

Rosenthal war während des Autobahnplanungsverfahrens als Oberbürgermeister direkt für den Hochwasserschutz am Heigelsbach zuständig. BI-Sprecherin Johanna Paul beklagt: „Obwohl er gekonnt hätte, hat Rosenthal nichts unternommen, um die Autobahndirektion auf einen angemessenen Hochwasserschutz zu verpflichten, denn er hat die Einleitung des Abwassers von der Autobahn im Planfeststellungsverfahren nicht angegriffen. Im Gegenteil, Rosenthal hat bei laufendem Bürgerbegehren gegen den Autobahnbau im Eilverfahren Grundstücke an die Autobahn verkauft und den Trogbau nach Kräften befördert.“ Die die Ortsbegehung veranstaltende SPD hat sich auch stets gegen Klagen gegen die A3 ausgesprochen und den Bürgerentscheid für den Würzburg-Tunnel bis heute quasi ignoriert.

Die Walter unterstehende Behörde des Wasserwirtschaftsamts ist es, die beim A3-Ausbau gegenüber zu erwartenden Starkregenereignissen bis heute völlige Gleichgültigkeit an den Tag legt. Trotz Warnungen der Allianzstiftung, gegen Starkregen Vorsorge zu treffen, heißt es in einem maßgeblichen Prüfbericht, Starkniederschläge seien als „natürliche Vorgänge hinzunehmen“ und deren Auswirkungen „aus ökologischer Sicht sogar erwünscht“. BI-Sprecherin Dewald: „Wenn man die Expertise liest, fühlt man sich in die freie Natur versetzt, wo frisches Regenwasser sich über ein anschwellendes Bächlein in ein Tal mit weiträumigen Auen ergießt. Das hat aber nichts mit der harten Realität in Würzburg zu tun, wo durch Reifenabrieb verschmutzte Wassermassen von der Autobahn, die eben gerade nicht im Boden versickern dürfen, ein Wohngebiet überfluten werden. So offensichtlich unsachgerecht die Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes ist – die Autobahndirektion hat sich auf diesen ihr willkommenen Prüfungsbericht gestützt. Selbst die Regierung von Unterfranken hat die Stellungnahme noch jüngst, 2015, wider die Interessen der Bürger benutzt.“

BI-Vorsitzender Michael Kraus hatte im Zug des Bürgerentscheids im Jahr 2014 die drohende Hochwassersituation mit Berechnungen untermauert: „Das Wasser wird seinen Weg nicht nur über das viel zu enge künstliche Bachbett nehmen, sondern direkt aus den zu kleinen Überlaufbecken den Hang und die Häuser überschwemmen.“ Diese Informationen hatte die BI den Verantwortlichen in Stadt, Regierung und Autobahndirektion zukommen lassen. Sie sind jedoch, auch seitens Stadtbaurat Christian Baumgart, unbeantwortet geblieben. Kraus: „Dass diese Herren, die sich eigentlich diskreditiert haben, jetzt die Bürger mit Kompetenz für den Hochwasserschutz beeindrucken wollen und dafür unsere Argumente nachträglich als ihre neuen Erkenntnisse ausgeben, ist schwer zu ertragen.“

Da indessen jedoch weiterhin die Autobahn als Verursacherin von Hochwasser hartnäckig verschwiegen wird, will die SPD nun mit städtischen und Landesmitteln ein „Rückhaltekonzept“ verwirklichen. Kraus: „Statt das eigene Versagen einzugestehen und endlich die Autobahndirektion in die Pflicht zu nehmen, sollen also nun die leidtragenden Würzburger Bürger die Versäumnisse Rosenthals und der Stadträte bezahlen. Dies lehnt die Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel entschieden ab. Dem städtischen Haushalt dürfen für den Hochwasserschutz am Heigelsbach nicht die ohnehin knappen Mittel entzogen werden, sondern die Autobahndirektion muss ihre Aufgabe erledigen und finanziell dafür aufkommen.“

Letzter Baumschutz fällt, Bürger nun schutzlos gegen Autobahn

Mehrere Hilferufe von entsetzten Anwohnern der A3-Baustelle am Heuchelhof gingen vor den Feiertagen um Allerheiligen bei der Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel ein: Unmittelbar hinter ihren Häusern in der Londoner Straße trafen Arbeiter der Autobahndirektion Vorbereitungen für die Abholzung des letzten Restes des Waldbestands entlang der Groß-baustelle. Mittlerweile sind die Rodungen in vollem Gange. Somit fällt der letzte Baumbestand, der den Anwohnern zumindest einen kleinen Schutz vor der Autobahn geboten hätte. Hilflosigkeit macht sich breit. Bei den zuständigen Stellen konnte wegen der Feiertage nicht interveniert werden. Solche Aktionen werden erfahrungsgemäß gerne in Ferienzeiten gestartet.

Auf Anfrage teilte das Bauamt der Stadt Würzburg schließlich mit, dass die Abholzung „im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses für den A3-Ausbau“ erfolgt sei. Mit diesen Rodungen würden sogenannte „Ausgleichsflächen“ geschaffen als Ersatz für den einst geschützten Magerrasen im Naturschutzgebiet „Bromberg-Rosengarten“, der dem A3-Ausbau geopfert worden war. Dass dies nun gerade dort geschieht, wo ohnehin fast der gesamte Schutzgürtel gerodet wurde, ist nach Auffassung der BI skandalös und grotesk. Sprecherin Johanna Paul bewertet diesen „amtlich betriebenen Naturschutz“ so: „Hier wird Naturschutz nur dem Wort nach abgeleistet, aber der Sinn von Naturschutz wird dabei total verkehrt: um zerstörte Natur auszugleichen, wird wieder Natur zerstört. Und das ausgerechnet in einem Gebiet, das die Autobahndirektion bis vor kurzem noch mit einem Schild als ‚wertvollen Lebensraum’ ausgewiesen hat! (s. Foto). Warum nicht als Kompromiss den Baumstreifen stehen lassen und dahinter den Magerrasen anlegen?“

Die BI vermisst seitens der Stadt ein Eintreten für ihre Bürger. BI-Sprecherin Dagmar Dewald stellt fest: „Wieder einmal schaut die Stadt tatenlos weg, wenn jetzt die Bürger den letzten Rest von Sicht- und Lärmschutz gegen die Autobahn verlieren. Die Stadt scheint sich mit der rechtlichen auch ihrer moralischen Zuständigkeit für ihre Bürger entledigt zu haben. Die Grundstücke hat sie ja an die Autobahndirektion verkauft, und der sind die Belange der Bürger offensichtlich egal. Der Bürger darf im Dschungel der Zuständigkeiten verhungern.“ Dass der eilige Verkauf von über 70 ehemals städtischen Grundstücken an die Autobahndirektion durch OB Rosenthal weit reichende Folgen für die Bürger haben würde, darauf hat schon damals die BI hingewiesen – der Kahlschlag von mehr als 60 Hektar über Jahrzehnte gewachsenen Waldes ist ein Ergebnis davon.

BI-Vorsitzender Michael Kraus beklagt außerdem: „Alle Appelle der BI an die Stadt, sich für eine Wiederaufforstung mit großen Bäumen einzusetzen, sind bislang nicht einmal beantwortet worden. In Zeiten viel zu hoher Luftverschmutzung braucht Würzburg jedoch dringend einen Schutzwald entlang der A3, damit der Schadstoffeintrag und der Lärm zumindest gemil dert werden. Würzburg darf nicht tatenlos zuschauen, wie jetzt sogar der letzte Rest Wald zerstört wird.“